Daten analysieren – Aktive Erfassungen

Sobald TamoGraph bei einer oder mehreren aktiven Erfassungen die benötigten Daten gesammelt hat, ist die Applikation in der Lage eine Anzahl von Wi-Fi-Datenvisualisierungen anzuzeigen, die Ihnen helfen, die wichtigsten Charakteristiken Ihres WLAN zu untersuchen, wie die PHY-Rate oder Durchsatzraten und die Entdeckung potentieller Leistungsprobleme. Die in diesem Kapitel aufgeführten Informationen sind für Aktive Erfassungen anwendbar; die Datenanalyse für passive Erfassungen wird im Kapitel Daten analysieren – Passive Erfassungen und vorhersagende Modellierung beschrieben. Sie können ebenso in das Kapitel Erfassungstypen verstehen: Passive, Aktive und Vorhersagende einsehen.

Daten zur Analyse auswählen

Drei Schlüsselinterfaceelemente bewirken wie und welche Daten analysiert werden. Über diese drei Elemente wird unten ein Überblick gegeben.

Das Register Pläne und Erfassungen im rechten Bedienfeld definiert welche Daten die Applikation visualisieren soll. Dieses Register ist wie ein hierarchischer Baum verwaltet, für jeden Aufstell- oder Standortplan, sehen Sie ein oder mehrere von Ihnen ausgeführte Standorterfassungen. Um einen Etagenplan zur Analyse auszuwählen, markieren Sie einen oder mehrere Erfassungspfade über die zugehörigenden Checkboxen. In Abhängigkeit, wo und wann die Erfassungen durchgeführt wurden, können Sie alle  oder nur einige Erfassungs-Checkboxen aktivieren. Zum Beispiel, wenn Sie einen großen Einsatzort haben und Sie unterbrachen die Erfassung, dann enthält Ihr Rundgangspfad zwei Teile, beide sollten in die Analyse eingebunden werden. In einem anderen Szenario (z.B. falls Sie den Einsatzort erfassten, bevor zusätzliche drahtlose Hardware installiert wurde und Sie erfassten danach den Einsatzort nochmals), werden Sie wohl nur eine der Erfassungen berücksichtigen und zum Vergleich mit anderen ändern Sie die Checkboxen-Auswahl. Die Spalte Typ zeigt den Erfassungstyp an: Aktiv, Passiv oder Aktiv+Passiv. Wir beschreiben in diesem Kapitel aktive Erfassungen, deshalb sollten Sie Erfassungen auswählen die als Aktiv oder Aktiv+Passiv in dieser Spalte markiert sind. Sie können sie Spalte Kommentare dazu benutzen, um Kommentare für die Erfassungen hinzuzufügen oder zu modifizieren oder modifizieren Sie die Erfassungsbezeichnungen.

Das Ausklappmenü Visualisierung in der Werkzeugleiste definiert welches Analyse-Tool für den gewählten Einsatzort genommen wird. Eine Visualisierung ist eine grafische Repräsentation von WLAN-Charakteristiken als Überlagerung über den Lageplan. Die verfügbaren Visualisierungen werden weiter unten beschrieben. Zur Auswahl einer Visualisierung wählen Sie einfach das zugehörige Element in der Sektion Aktiv aus der Ausklappliste. Zur Leerung aller Visualisierungen wählen Sie Keine. Falls keine Visualisierung gewählt wurde, wird der Lageplan mit dem Rundgangspfad und den Schätzbereichen (Zonen innerhalb denen TamoGraph eine gute Einschätzung der WLAN-Parameter abgibt) überlagert.

Im Gegensatz zu passiven Erfassungen, beinhalten aktive Erfassungen keine Informationen über APs des Erfassungsbereiches; sie sind auf das spezifizierte WLAN oder den AP fokussiert, mit dem Sie während  der Erfassung verbunden sind. Aus diesem Grund, ist der Button Ausgewählte APs / Alle APs in der Werkzeugleiste deaktiviert, wenn Sie eine Visualisierung für eine aktive Erfassung wählen. Die AP-Liste könnte auch verfügbar sein wenn Sie eine passive Erfassung ausführen oder wenn APs gerade durch die Applikation "gehört" werden, in diesem Fall hat das Ankreuzen der Checkboxen bei den aufgelisteten APs keine Auswirkungen.

Bildliche Darstellungstypen

Das folgende Kapitel beschreibt verschiedene Visualisierungstypen und die Auswirkungen der entsprechenden Konfigurationseinstellungen. Sie werden Ihnen helfen die Daten zu integrieren und Vorschläge für Problemlösungen mit der Wi-Fi-Abdeckung und -Leistung vorschlagen.

Aktuelle PHY-Rate

Die Physical-Layer-Rate (PHY) ist die Kommunikationsgeschwindigkeit der Klientengeräte mit dem AP. Wenn Sie innerhalb des WLAN-Abdeckungsbereiches einen mit einem AP verbundenen Computer bewegen, zeigt der Adaptereigenschaftendialog in Windows oder das WLAN-Symbolmenü in macOS die variierende Geschwindigkeit an, welche so hoch wie 450 oder 300 Mbps sein kann, wenn Sie nahe am AP sind oder niedriger als 1 Mbps, wenn Sie 50 Meter von ihm entfernt sind. Die angezeigte Geschwindigkeit ist die aktuelle PHY-Rate mit welcher der Klient während der aktiven Erfassung mit dem AP verbunden war. Dies ist anders als die Voraussichtliche PHY-Rate für passive Erfassungen, bei der die PHY-Rate nicht gemessen, sondern basierend auf der Signalstärke geschätzt wird. Die von Ihnen festgestellte aktuelle PHY-Rate kann, in Abhängigkeit vom spezifischen Adapter und der benutzen AP-Ausstattung, geringer oder höher sein als die erwartete Rate.

Um in der Lage zu sein, die maximal mögliche PHY-Rate zu untersuchen, muss das Set von unterstützten Raten und Standards des von Ihnen zur aktiven Erfassung benutzten Adapters mindestens so gut sein wie das des APs. Wenn die Adaptereinsatzmöglichkeiten geringer sind (z.B. wenn ein 802.11b-Adapter mit einem 802.11n-AP verbunden ist) wird die maximale PHY-Rate nicht erreicht.

 

Die gemessene PHY-Rate ist die Rate, mit der der Adapter an jedem Punkt des Erfassungspfades mit dem AP verbunden war. Bei der Bewegung auf dem Erfassungspfad wandert der Adapter zum AP mit dem stärksten Signal innerhalb Ihres WLANs.

Es ist wichtig sich zu erinnern, dass einige Adapter Sie die Erreichbarkeitsgrenzwerte einstellen lassen; diese Erreichbarkeitseinstellungen haben Auswirkung auf das Wanderverhalten und demzufolge auf die gemessene PHY-Rate. Zum Beispiel, betrachten wir zwei APs, die 20 Meter voneinander entfernt sind, mit einem Signalstärkebereich von -30dBm neben dem AP und bis zu -70dBm in der Mitte zwischen den APs. Wenn Sie vom ersten zum zweiten AP gehen, wollen einige Klienten wandern, sobald Sie den Mittelpunkt erreichen, während andere erst wandern, wenn sie nur einige Meter vom zweiten AP entfernt sind. Aus diesem Grund ist die PHY-Ratenvisualisierung stark vom Rundgangspfad und seiner Richtung abhängig. Der Gang vom ersten zum zweiten AP kann ein Bild produzieren, das anders ist als das Bild, wenn Sie in die Gegenrichtung gehen.

Doppelklicken auf die Legende der aktuellen PHY-Rate in der Statusanzeige ermöglicht Ihnen das Farbschema und den Wertebereich einzustellen.

Vorgeschlagene Lösungen

Wenn geringe aktuelle PHY-Ratenbereiche entdeckt wurden, schlagen wir folgende Lösungen vor:

TCP Upstream- und TCP Downstream-Rate

Die TCP Upstream-Raten- und die TCP Downstream-Raten-Visualisierungen zeigen die TCP-Durchsatzraten gemessen in Mbps (Megabit pro Sekunde) an. Der Durchsatz ist die Summe der vom Klienten zum Server pro Sekunde gelieferten Applikationsdaten (Upstream) oder vom Server zum Klienten (Downstream).  Dabei ist  der Protocol-Overhead nicht enthalten, wenn wir also über einen TCP-Durchsatz von 1 Mbps sprechen, meinen wir, dass 125 Kbytes der aktuellen Datenladung zwischen zwei Netzwerkknoten innerhalb einer Sekunde versendet werden, ohne TCP-, IP-, Ethernet oder 802.11-Header.

Durchsatzraten sind eine der wichtigsten realen WLAN-Metriken, weil sie die Endanwendererfahrungen und die dem Netzwerk zugehörige Applikationsleistung untersuchen.

Doppelklicken auf die Legende der TCP Upstream- und TCP Downstreamrate in der Statusleiste ermöglicht Ihnen das Farbschema zu konfigurieren und den Wertebereich zu verändern.

Vorgeschlagene Lösungen

Wenn Bereiche mit geringem Durchsatz entdeckt werden, schlagen wir die folgenden Lösungen vor:

UDP Upstream- und UDP-Downstream-Rate

Die Visualisierungen der UPD Upstream- und der UDP-Downstream-Rate zeigen die UDP-Durchsatzraten gemessen in Mbps (Megabit pro Sekunde) an. Der Durchsatz ist die Summe der vom Klienten zum Server pro Sekunde gelieferten Applikationsdaten (Upstream) oder vom Server zum Klienten (Downstream).  Dabei ist der Protocol-Overhead nicht enthalten, wenn wir also über einen TCP-Durchsatz von 1 Mbps sprechen, meinen wir, dass 125 Kbytes der aktuellen Datenladung zwischen zwei Netzwerkknoten innerhalb einer Sekunde versendet werden, ohne TCP-, IP-, Ethernet oder 802.11-Header.

Genau wie TCP-Durchsatzraten sind UDP-Durchsatzraten eine der wichtigsten realen WLAN-Metriken, weil sie die Endanwendererfahrungen und die dem Netzwerk zugehörige Applikationsleistung untersuchen. Im Unterschied zu TCP wird UDP typischerweise in Audio- und Video-Streaming-Applikationen, wie VoIP benutzt, so können Ihnen UDP-Durchsatzmetriken eine Einsicht in die zu erwartende VoIP-Qualität geben.

Doppelklicken auf die Legende der UDP Upstream- und UDP Downstreamrate in der Statusleiste ermöglicht Ihnen das Farbschema zu konfigurieren und den Wertebereich zu verändern.

Vorgeschlagene Lösungen

Wenn Bereiche mit geringem Durchsatz entdeckt werden, schlagen wir die folgenden Lösungen vor:

UDP Upstream- und Downstream-Verlust

Diese Visualisierung zeigt den Verlust von UDP-Paketen vom Klienten zum Server (Upstream) oder vom Server zum Klienten (Downstream) an, gemessen in Prozent. Paketverlust ist nur bei UDP-Testen maßgeblich, weil in TCP alle Pakete erkannt werden müssen und kein Datenverlust auftreten kann. UDP-Verlust wird als Prozentwert der Daten berechnet, die während der Übertragung verloren wurden. Zum Beispiel, wenn der Server 1 Megabit Daten in 10 Millisekunden versendet und der Klient empfängt 0,6 Megabits in 10 Millisekunden, während 0,4 Megabit auf dem Weg verloren wurden, tritt ein 40% Downstream-Verlust auf.

UDP-Verlust bestimmt die Endanwendererfahrung in Audio- und Video-Streaming-Applikationen, wie VoIP. Hohe prozentuale Verluste können hohes Jittern und Verzögerungen in Musikstücken und Videos verursachen.

Wenn Sie diese Visualisierungen ansehen, ist es sehr wichtig zu verstehen, dass hoher Downstream-Verlust normal ist. UDP-Verkehr wird nicht erkannt. Das bedeutet, dass der verkehrsendende Teil so viel Verkehr senden kann wie das Netzwerksystem handhaben kann ohne „mitzufühlen“ wie viel vom Verkehr verlorengeht. Ein typischer mit einem Gigabit-Adapter ausgestatteter PC auf der verdrahteten Seite des Netzwerkes (Server), kann hunderte von Megabits pro Sekunde senden. Dies Daten erreichen zuerst einen Switch, könnte der erste Flaschenhals sein, dann den AP, der immer ein Flaschenhals ist, weil ein typischer 802.11n-Access Point nicht mehr als 100 oder 150 Mbps an Downstream senden kann, z.B. zum Klienten. Als Ergebnis können über 50% der UDP-Pakete verloren gehen, aber dies ist der einzige Weg den maximalen Downstream-UPD-Durchsatz herauszufinden.

Vorgeschlagene Lösungen

Wenn Bereiche mit hohem UDP-Verlust entdeckt wurden, werden die folgenden Lösungen vorgeschlagen:

Hin- und Zurückzeit

Diese  Visualisierung  zeigt die Hin- und Zurück-Zeit (RTT) gemessen in Millisekunden. RTT ist die Länge der Zeit, die ein Datenpaket benötigt, wenn es vom Klienten zum Server gesendet wird und zurück.

RTT beeinflusst die Applikationsempfindlichkeit: Ein hoher RTT bedeutet, dass ein Applikationsserver langsam auf eine Klientenanfrage antwortet. RTT beeinflusst auch die Endanwendererfahrungen in Audio- und Video-Streaming-Applikationen, weil ein hoher RTT-Wert wird unweigerlich eine VoIP-Verzögerung zur Folge haben. Unterschiedliche RTT kann VoIP-Schwankungen (Jitter) zur Folge haben.

Wenn der Erfasser den Standort während einer aktiven Erfassung durchläuft, gibt der Adapter die PHY-Rate periodisch weiter und wandert zu neuen APs. Während dieser Zeitperiode, können RTT-Werte den Höchststand erreichen, was normal ist.

Vorgeschlagene Lösungen

Wenn Bereiche mit durchweg hohem RTT entdeckt wurden, schlagen wir folgende Lösungen vor:

Verbundene AP

Diese Visualisierung zeigt zu welchem AP der Klient während der aktiven Erfassung verbunden war. Bei der Bewegung entlang des Pfades, wandert der Klientenadapter typischerweise zu dem AP mit dem stärksten Signal innerhalb Ihres WLAN.

Es ist wichtig sich zu erinnern, dass einige Adapter Sie die Erreichbarkeitsgrenzwerte einstellen lassen; diese Erreichbarkeitseinstellungen haben Auswirkung auf das Wanderverhalten und demzufolge auf die gemessene PHY-Rate. Zum Beispiel, betrachten wir zwei APs, die 20 Meter voneinander entfernt sind, mit einem Signalstärkebereich von -30dBm neben dem AP und bis zu -70dBm in der Mitte zwischen den APs. Wenn Sie vom ersten zum zweiten AP gehen, wollen einige Klienten wandern, sobald Sie den Mittelpunkt erreichen, während andere erst wandern wenn sie nur einige Meter vom zweiten AP entfernt sind. Aus diesem Grund ist die Visualisierung der Verbundenen APs stark vom Rundgangspfad und seiner Richtung abhängig. Der Gang vom ersten zum zweiten AP kann ein Bild produzieren, das anders ist als das Bild, wenn Sie in die Gegenrichtung gehen.

Anforderungen

Diese Visualisierung zeigt, welche Anforderungen gesetzt werden um dem Anwender zu genügen. Das Anforderungen-Panel (im Register Eigenschaften des rechten Bedienfensters angeordnet) ermöglicht es dem Anwender Grenzwerte für Schlüssel-WLAN-Parameter zu bestimmen (in der Sektion Aktiv):

Zonen in denen die Anforderungen nicht genügen sind mit der zugehörigenden Legendenfarbe markiert. Wenn mehr als eine Anforderung nicht genügend ist, wird nur eine Farbe benutzt (die Priorität liegt bei den Anforderungen am Anfang der Liste). Wenn alle Anforderungen genügen, werden keine Farbüberlagerungen angezeigt.

Die Bedeutung obiger Anforderungsliste wird in den vorhergehenden Abschnitten des Kapitels Datenanalyse – Aktive Erfassungen detailliert erklärt.